Amazon FBM: Neue Zustellanforderungen für Business-Kunden ab Oktober 2026


Für Marken, die Bestellungen auf Amazon.de selbst versenden, werden Zustellleistung und Versandkonfiguration noch wichtiger. Amazon hat neue Anforderungen an die Lieferperformance angekündigt. Werden bestimmte Mindestquoten nicht eingehalten, können betroffene FBM-Angebote für Amazon-Business-Kunden deaktiviert werden.
Ab dem 30. Oktober 2026 kann dies Angebote betreffen, die die Anforderungen an Zustellungen innerhalb der Geschäftszeiten nicht erfüllen.
Für Marken mit eigenem Lager, externem Logistikdienstleister (3PL) oder hybriden FBA-/FBM-Strukturen bedeutet das vor allem eines: Die Einstellungen in Seller Central müssen zu den tatsächlichen Abläufen im Versand passen.
Entscheidend ist nicht nur, welche Lieferzeiten hinterlegt sind, sondern ob Lager, Versanddienstleister und interne Prozesse das damit verbundene Lieferversprechen zuverlässig erfüllen können.
Was Amazon angekündigt hat
In seiner Ankündigung vom 29. Juni 2026 informiert Amazon Seller Central Deutschland über mehrere Änderungen der FBM-Anforderungen für Amazon.de.
Im Mittelpunkt stehen zwei unterschiedliche Leistungskennzahlen:
1. Zustellungen an Amazon-Business-Kunden innerhalb der Geschäftszeiten
Seit dem 30. September 2026 erwartet Amazon eine Zustellquote von mindestens 90 % innerhalb der Geschäftszeiten der jeweiligen Geschäftskunden.
Wird diese Anforderung nicht erfüllt, können ab dem 30. Oktober 2026 betroffene FBM-Angebote für Business-Kunden deaktiviert werden.
2. Pünktliche Zustellungen bei allgemeinen FBM-Bestellungen (OTDR)
Für die On-Time Delivery Rate (OTDR) gilt seit dem 15. Juli 2026 ebenfalls eine Mindestquote von 90 %.
Diese Kennzahl misst, welcher Anteil der FBM-Einheiten spätestens zum zugesagten Lieferdatum zugestellt wird. Bei Nichterfüllung der entsprechenden Richtlinien können seit dem 1. September 2026 betroffene Angebote deaktiviert werden oder Einschränkungen beim Anlegen neuer FBM-Angebote entstehen.
Wichtig: Beide Kennzahlen haben unterschiedliche Berechnungsgrundlagen und müssen getrennt überwacht werden. Eine ausreichende OTDR bedeutet nicht automatisch, dass auch die Anforderungen an Zustellungen innerhalb der Geschäftszeiten erfüllt sind.
Die angekündigten Maßnahmen betreffen nicht pauschal sämtliche FBM-Angebote. Welche Angebote und Leistungswerte relevant sind, sollte jede Marke anhand ihrer individuellen Seller-Central-Daten prüfen.
Welche Marken besonders genau hinsehen sollten
Relevant sind die Änderungen für Unternehmen, die ihre Produkte über FBM verkaufen und Amazon-Business-Kunden beliefern.
Dazu gehören insbesondere:
- Marken mit eigenem Lager und selbst organisiertem Versand.
- Unternehmen, die mit externen Fulfillment-Dienstleistern oder 3PL-Partnern zusammenarbeiten.
- Marken mit hybriden FBA-/FBM-Strukturen.
- Unternehmen mit einem relevanten B2B-Sortiment oder regelmäßigen Bestellungen durch Geschäftskunden.
Gerade bei mehreren beteiligten Partnern können Unterschiede zwischen den in Seller Central hinterlegten Lieferzeiten und der tatsächlichen Versandabwicklung entstehen.
Eine Marke kann beispielsweise passende Bearbeitungszeiten eingestellt haben, während die tatsächlichen Zustellzeiten des Versanddienstleisters nicht zu den Geschäftszeiten der Empfänger passen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Marke ihre Fulfillment-Struktur ändern muss. Zunächst sollte geklärt werden, wo mögliche Abweichungen entstehen und welche Angebote tatsächlich betroffen sind.
Zwei Anforderungen, zwei unterschiedliche Prüfungen
Obwohl Amazon für beide Kennzahlen eine Mindestquote von 90 % nennt, dürfen sie operativ nicht gleichgesetzt werden.
Bei der OTDR steht im Mittelpunkt, ob die Sendung spätestens zum versprochenen Lieferdatum zugestellt wurde.
Bei der Zustellquote innerhalb der Geschäftszeiten geht es dagegen darum, ob die FBM-Sendung innerhalb der Betriebszeiten des jeweiligen Amazon-Business-Kunden zugestellt wurde.
Für das Monitoring bedeutet das:
- Beide Leistungskennzahlen separat in Seller Central prüfen.
- Kontobezogene Hinweise und betroffene Angebote dokumentieren.
- Mögliche Ursachen für Abweichungen getrennt untersuchen.
- Verbesserungsmaßnahmen anhand der jeweils relevanten Kennzahl bewerten.
Erst wenn klar ist, welche Anforderung nicht erfüllt wird, lässt sich beurteilen, an welcher Stelle eine operative Anpassung sinnvoll sein könnte. Ein strukturiertes Amazon Seller Troubleshooting kann dabei unterstützen.
Was Marken jetzt konkret prüfen sollten
Die neuen Anforderungen betreffen nicht allein die Einstellungen in Seller Central. Sie machen eine abgestimmte Betrachtung von Account Management, Lagerprozessen, Versandkonfiguration und Zustellleistung erforderlich.
1. Geschäftszeiten und relevante Kontodaten überprüfen
Bei Lieferungen an Geschäftskunden sind deren Betriebszeiten entscheidend für die neue Zustellanforderung.
Marken sollten prüfen, welche Informationen in Seller Central zur Verfügung stehen und ob sich mögliche Abweichungen auf bestimmte Angebote, Versandwege oder Empfängergruppen eingrenzen lassen.
Dabei ist zwischen den Geschäftszeiten des Empfängers und den Arbeitszeiten des eigenen Lagers zu unterscheiden.
Wenn nicht nachvollziehbar ist, warum eine Sendung außerhalb der relevanten Geschäftszeiten zugestellt wurde, sollte die Ursache zunächst untersucht werden, bevor Einstellungen verändert werden.
2. Bearbeitungszeiten mit der tatsächlichen Lagerleistung abgleichen
Die in Seller Central hinterlegten Bearbeitungszeiten sollten realistisch widerspiegeln, wie schnell Bestellungen bearbeitet und an Versanddienstleister übergeben werden können.
Dazu gehören unter anderem:
- Die tatsächliche Bearbeitungsdauer im Lager.
- Die Abstimmung mit externen Fulfillment-Partnern.
- Hinterlegte Bearbeitungszeiten auf Konto- und SKU-Ebene.
- Abweichungen zwischen geplantem und tatsächlichem Versandablauf.
Amazon hat außerdem Änderungen bei den Standardbearbeitungszeiten angekündigt und beschreibt den Einsatz der automatischen Bearbeitungszeit für bestimmte SKU-Konstellationen.
Für Marken ist deshalb wichtig, die aktuellen Einstellungen und kontobezogenen Hinweise zu prüfen, statt von unveränderten bisherigen Standardeinstellungen auszugehen.
Eine kürzere hinterlegte Bearbeitungszeit verbessert den zugrunde liegenden Versandprozess nicht automatisch. Das Lieferversprechen muss weiterhin zur tatsächlichen operativen Leistung passen.
3. Versandprofile und Carrier-Leistung gemeinsam bewerten
Auch korrekt hinterlegte Bearbeitungszeiten reichen allein nicht aus.
Entscheidend ist, ob die gesamte Versandkonfiguration den tatsächlich eingesetzten Versandwegen und deren Leistungsfähigkeit entspricht.
Marken sollten deshalb prüfen:
- Passen Versandprofile und Transportzeiten zu den eingesetzten Dienstleistern?
- Sind die tatsächlichen Übergabe- und Zustellzeiten nachvollziehbar?
- Lassen sich wiederkehrende Abweichungen bestimmten Versandwegen zuordnen?
- Sind Lager, Versanddienstleister und Amazon-Verantwortliche ausreichend aufeinander abgestimmt?
Amazon nennt unter anderem automatische Bearbeitungszeiten, automatisierte Versandeinstellungen und genaue Versand- beziehungsweise Transportzeiten als mögliche Maßnahmen zur Verbesserung des Lieferversprechens.
Zusätzlich verweist Amazon auf die Funktion „Amazon Versandentgelt kaufen“.
Dabei ist eine wichtige Besonderheit zu beachten: Laut Amazon werden Bestellungen, die mit allen drei Funktionen – automatischer Bearbeitungszeit, Automatisierung der Versandeinstellungen und „Amazon Versandentgelt kaufen“ – versendet werden, nicht in die beiden genannten Leistungsquoten eingerechnet.
Welche Funktionen im jeweiligen Konto geeignet sind, hängt jedoch von der Versandstruktur und den konkreten Voraussetzungen ab.
Die Aktivierung einzelner Einstellungen sollte deshalb nicht als pauschale Lösung für alle Zustellprobleme verstanden werden.
4. Grenzüberschreitende Sendungen und IOSS gesondert prüfen
Die Amazon-Ankündigung enthält zusätzlich Anforderungen für bestimmte grenzüberschreitende Sendungen.
Betroffen sind insbesondere Sendungen unter 150 Euro, die von außerhalb der EU an Empfänger innerhalb der EU versendet und über IOSS eingeführt werden.
Amazon verweist dabei auf die Auswahl eines zugelassenen Transportdienstleisters, korrekte Zollunterlagen sowie die Übermittlung der Amazon-IOSS-Nummer und der relevanten ASIN-Daten an den Transportdienstleister.
Für Marken mit entsprechenden Versandwegen gehört dieser Bereich daher in die kontospezifische Prüfung. Auch bei der Amazon Internationalisierung sollten grenzüberschreitende Versandprozesse und relevante Anforderungen gemeinsam berücksichtigt werden.
Die IOSS-Anforderungen sind jedoch ein eigenständiger Teil der Ankündigung und sollten nicht mit den Zustellkennzahlen verwechselt werden.
5. Zuständigkeiten für Monitoring und Abweichungen festlegen
Eine einmalige Prüfung der Einstellungen reicht nicht aus, wenn sich Versandvolumen, Lagerprozesse oder die Leistung von Dienstleistern verändern.
Deshalb sollte klar geregelt sein:
- Wer überwacht die relevanten Leistungskennzahlen?
- Wer prüft Auffälligkeiten und mögliche Ursachen?
- Wer stimmt erforderliche Änderungen mit Lager und Versanddienstleistern ab?
- Wer entscheidet über Anpassungen in Seller Central?
- Wie wird anschließend überprüft, ob die Maßnahme sinnvoll war?
Gerade bei hybriden Fulfillment-Strukturen oder externen Logistikpartnern sollten diese Verantwortlichkeiten eindeutig verteilt sein.
So entsteht ein nachvollziehbarer Prozess, statt dass einzelne Einstellungen erst dann überprüft werden, wenn bereits Probleme bei der Angebotsverfügbarkeit auftreten.
Die ama-X Perspektive: Operative Kontrolle statt isolierter Einstellungen
Aus ama-X Sicht zeigt diese Amazon-Änderung, wie eng Account Management, Logistik, Datenqualität und operative Prozesse miteinander verbunden sind.
Es reicht nicht, Versandprofile einmal korrekt einzustellen. Entscheidend ist, Geschäftszeiten, Bearbeitungszeiten und tatsächliche Zustellleistung kontinuierlich abzugleichen – mit klaren Verantwortlichkeiten für mögliche Abweichungen.
Genau hier setzt der Ansatz des ama-X AOS™ – Assess, Optimise, Scale an.
Assess: Die Ausgangslage verstehen
Zunächst werden Kontostatus, relevante Leistungskennzahlen, Versandkonfiguration und tatsächliche Abläufe geprüft.
Ziel ist, zwischen bestätigten Abweichungen, möglichen Ursachen und noch offenen Fragen zu unterscheiden.
Optimise: Geeignete Maßnahmen gezielt umsetzen
Erst auf dieser Grundlage wird entschieden, welche Anpassungen sinnvoll sind.
Je nach Situation können dazu Änderungen an Bearbeitungszeiten, Versandprofilen, internen Abläufen oder der Zusammenarbeit mit Versanddienstleistern gehören.
Nicht jede Marke benötigt dieselben Maßnahmen.
Scale: Wiederholbare Kontrollprozesse etablieren
Langfristig sollten relevante Leistungswerte regelmäßig überprüft und notwendige Anpassungen nachvollziehbar dokumentiert werden.
Dabei geht es nicht nur um die Einhaltung einzelner Amazon-Anforderungen, sondern um die Fähigkeit, das eigene Amazon-Geschäft zuverlässig und kontrolliert zu steuern.
Die Verbindung von Marketplace Operations, Datenanalyse und klaren Verantwortlichkeiten schafft dafür eine belastbare operative Grundlage.
Warum ein regelmäßiger FBM-Review sinnvoll ist
Die Anforderungen an die Lieferperformance sollten nicht nur unmittelbar vor einem relevanten Stichtag überprüft werden. Ein strukturiertes Amazon Seller Reporting kann die regelmäßige Auswertung verfügbarer Leistungsdaten unterstützen.
Ein wiederkehrender operativer Review hilft, Veränderungen und Abweichungen frühzeitig zu erkennen.
Dabei sollten insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:
- Welche FBM-Angebote und Versandwege sind aktuell relevant?
- Wie entwickeln sich OTDR und Zustellquote innerhalb der Geschäftszeiten?
- Stimmen die hinterlegten Versandzeiten weiterhin mit den tatsächlichen Abläufen überein?
- Welche Abweichungen sind bereits erklärt, und wo fehlen noch Informationen?
- Welche Maßnahmen wurden beschlossen und wer überprüft ihre Wirkung?
Der Review-Rhythmus sollte zur Größe und Komplexität des jeweiligen Versandgeschäfts passen.
Wichtig ist eine klare Dokumentation: Welche Beobachtungen sind durch Daten belegt, welche Ursachen werden noch geprüft und welche Maßnahmen sind bereits umgesetzt?
So bleiben Entscheidungen nachvollziehbar, auch wenn mehrere Teams oder externe Dienstleister beteiligt sind.
Fazit: Lieferfähigkeit und Angebotsverfügbarkeit gemeinsam betrachten
Die angekündigten FBM-Anforderungen machen deutlich, dass die Lieferperformance unmittelbare Auswirkungen auf die Verfügbarkeit betroffener Angebote haben kann.
Für Marken mit eigenem Lager, 3PL oder hybriden FBA-/FBM-Strukturen empfiehlt sich deshalb eine strukturierte Prüfung der individuellen Seller-Central-Situation.
Im Mittelpunkt stehen die getrennte Überwachung der beiden 90-%-Kennzahlen, realistische Bearbeitungszeiten, passende Versandprofile und eine verlässliche Abstimmung mit den beteiligten Versanddienstleistern.
Wer diese Zusammenhänge regelmäßig überprüft und klare Zuständigkeiten schafft, kann Abweichungen früher erkennen und Risiken für die Angebotsverfügbarkeit besser steuern.
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